Rede zum Thema: Internationalisierung der Niedersächsischen Hochschulen voranbringen“

Im Rahmen des Plenums im Niedersächsischen Landtag hat Ulf Prange am Freitag, 27. September 2013, für die Fraktion eine Rede zum Thema: "Internationalisierung der Niedersächsischen Hochschulen voranbringen" gehalten.

 

 

"Herr Präsident,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

es ist mir ein persönliches Anliegen, dass wir in Niedersachsen die Internationalisierung unserer Hochschulen voranbringen. Ich durfte während meines Studiums im Rahmen des ERASMUS-Programms ein Semester in Paris studieren. Vor dem Hintergrund der persönlichen Erfahrungen, die ich gemacht habe, kann ich nur jedem Studenten einen Auslandsaufenthalt empfehlen.

Es geht nicht nur darum eine Sprache zu erlernen bzw. die Sprachkompetenz in einer anderen Sprache zu verbessern oder – wie in meinem Fall – ein anderes Rechtssystem kennenzulernen, sondern es geht auch darum, Land und Leute sowie Kultur und Lebensart eines anderen Landes kennenzulernen.

Internationalisierung beschränkt sich aber nicht auf Auslandsaufenthalte von Studierenden und Lehrenden sowie auf den Ausbau von Kooperationen mit europäischen und außereuropäischen Hochschulen. Genauso wichtig ist die Schaffung eines internationalen Campus und die Etablierung einer Willkommenskultur an unseren Hochschulen.

Die Rahmenbedingungen an unseren Universitäten haben sich in den letzten Jahren durchgreifend verändert. Der Bologna-Prozess hat gemeinsame europäische Standards definiert. Dies erleichtert die Vergleichbarkeit und Anerkennung von Studienabschlüssen und einzelnen Modulen. Auf der anderen Seite hat Bologna zu einer Verdichtung der Lehr- und Lernprozesse sowie zu einer höheren Belastung der Studierenden geführt, was den einen oder anderen von einem Auslandsaufenthalt abhält.

Dennoch hat sich die Zahl der Auslandsaufenthalte deutscher Studierender zwischen 1999 und 2009 verdoppelt. 1999 kamen auf 1000 Studierende an inländischen Hochschulen 31 deutsche Studierende an Hochschulen im Ausland. 2009 betrug diese Zahl bereits 62.

Für diejenigen, die keinen Auslandsaufenthalt absolvieren, bietet der Ansatz der Internationalisierung zu Hause (internationalisation at home), der unter anderem die Integration internationaler Bezüge ins Curriculum und die Etablierung einer Lehr- und Lernkultur, die die zunehmende Heterogenität der Studierenden berücksichtigt, die Möglichkeit, auch an unseren Hochschulen in Niedersachsen internationale und interkulturelle Kompetenzen zu erwerben.

Ich will nicht verschweigen, dass die FDP-Fraktion zum Thema Internationalisierung der nds. Hochschulen bereits vor einigen Monaten einen eigenen Antrag eingebracht hat. In dem Antrag wird das Thema Internationalisierung aber leider im Wesentlichen auf Wirtschaftsförderung reduziert. Die Lehre und der interkulturelle Austausch spielen nur am Rande eine Rolle. Auf bestehende Internationalisierungsstrategien wird nicht Bezug genommen. Es werden thematische Vorgaben gemacht, die sich nicht mit der Autonomie der Hochschulen in Einklang bringen lassen. Ferner wird weder die Einbindung von Studierendenvertretungen berücksichtigt noch der Gleichstellungsgedanke angesprochen und und und…

Es besteht sicherlich Konsens darüber, dass wir unsere Hochschulen auf dem Weg zu mehr Internationalisierung unterstützen wollen. Unsere konkreten Vorstellungen dazu, wie diese Zielsetzung umgesetzt werden kann, bringen wir mit dem vorliegenden Antrag ein.

Mit diesem Antrag greifen wir eine Zielsetzung auf, die bereits Gegenstand der Koalitionsvereinbarung zwischen Grünen und SPD ist.

Die GWK (Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern) hat im April 2013 einstimmig eine Strategie für die Internationalisierung der Hochschulen in Deutschland beschlossen. In der gemeinsamen Zielvorstellung wird unter dem Punkt „Strategische Internationalisierung der einzelnen Hochschulen“ festgeschrieben, dass Bund und Länder die Hochschulen bei der Entwicklung hochschuleigener Internationalisierungsstrategien unterstützen.

Daran anknüpfend wird die Landesregierung beauftragt, auf Grundlage der GWK-Empfehlungen im Rahmen des Hochschulentwicklungsvertrages eine intensivere Internationalisierung zu vereinbaren und dafür Anreize zu schaffen. Der Zeitpunkt der Antragsstellung ergibt sich aus dem Zusammenhang mit dem Hochschulentwicklungsvertrag.

Die meisten niedersächsischen Hochschulen verfügen bereits über hochschuleigene Internationalisierungsstrategien bzw. arbeiten an entsprechenden Konzepten. Dabei gehen die Universitäten unterschiedliche Wege. T.w. werden die Konzepte aus den Hochschulen heraus entwickelt, t.w. werden externe Partner konsultiert.

Diese Konzepte und Strategien sollen fortgeschrieben, die Initiativen der Hochschulen im Bereich Internationalisierung sollen intensiviert werden.

Eine verstärkte internationale Ausrichtung unserer Hochschulen stärkt durch den Austausch von Wissen und Erfahrungen Lehre und Forschung in Niedersachsen und damit zugleich Niedersachsen als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort.

Internationalisierung darf aber nicht nur als Wirtschaftsförderung begriffen werden, sondern soll im Austausch mit internationalen Partnern auch Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen wie bsp.weise die Klimaveränderung, den demographischen Wandel, und die zunehmende Individualisierung unserer Gesellschaft geben. Uns geht es um einen ganzheitlichen Ansatz.

Wenn ich an Internationalisierung im Hochschulbereich denke, fällt mir als gelungenes Beispiel die European Medical School Oldenburg-Groningen (EMS) ein. Dieses deutsch-niederländische Kooperationsprojekt der Universitäten Oldenburg und Groningen, das alle in diesem Haus vertretenen Fraktionen gemeinsam auf den Weg gebracht haben, ist mit seinem länderübergreifenden Profil einzigartig in Europa, ist ein Vorzeigeprojekt in Sachen Internationalisierung.

Ziel der EMS ist es, neue Wege in der Medizinerausbildung zu gehen. Das Lehrkonzept ist praxisorientiert und forschungsbasiert. Neben dem Staatsexamen kann zusätzlich an der Partneruniversität Groningen der Masterabschluss in „Geneeskunde“ erworben werden. Eine Besonderheit der Ausbildung ist der Studierendenaustausch. Mindestens ein Jahr ihrer sechsjährigen Ausbildung verbringen die Studierenden im jeweiligen Nachbarland, erhalten so einen profunden Einblick in das jeweils andere Gesundheitssystem.

Die Zusammenarbeit unserer Hochschulen mit internationalen Partnern ermöglicht nicht nur den Austausch von Wissen und Erfahrungen, sondern steht auch für interkulturellen Dialog und Austausch. Es geht darum Internationalisierung als einen komplexen und ganzheitlichen Prozess zu verstehen, der interkulturelle, internationale und globale Dimensionen in Lehre und Forschung berücksichtigt. Dabei stehen nicht nur grenzüberschreitende Kooperationen und Auslandsaufenthalte von Studierenden und Lehrenden im Fokus, sondern auch hochschulinterne Aktivitäten, wie sie sich aus dem Ansatz der Internationalisierung zu Hause ergeben.

Ziel unseres Antrages ist es die Nds. Hochschulen auf diesem Weg zu unterstützen.

Konkret wollen wir – selbstverständlich unter Respektierung der Autonomie der Hochschulen – die rechtlichen Rahmenbedingungen der Internationalisierung verbessern, Studium und Lehre weiter internationalisieren, interkulturelle Lehr- und Lernkonzepte weiterentwickeln, die Internationalisierung der Curricula voranbringen, englischsprachige Lehrangebote ausweiten, Austauschprogrammen mit internationalen Partnern ausbauen, mehr Studiengänge mit internationalen Abschlüssen anbieten, die Forschung durch den Ausbau internationaler Forschungskooperationen stärken, eine verstärkte Zusammenarbeit mit ausländischen Hochschulen und ausländische Studierende durch den Ausbau von Mentorenprogrammen und weiterer Angebote unterstützen und Maßnahmen gegen Diskriminierung entwickeln und umsetzen.

Diese Punkte werden zu einer weiteren Steigerung der internationalen Attraktivität des Hochschulstandortes Niedersachsen führen. Wichtig ist uns, dass im weiteren Internationalisierungsprozess unter dem Gesichtspunkt der demokratischen Hochschule die Studierendenvertretungen einbezogen und dass die gesetzlichen Vorgaben zur Gleichstellung umgesetzt werden.

Ich freue mich auf die weitere Beratung."

Quelle: Redemanuskript